Harm Klueting (Hg.)
Irenik und Antikonfessionalismus im 17. und 18. Jahrhundert
2003.
XII/336 S.
Leinen
Series: HILDESHEIMER FORSCHUNGEN Band 2
ISBN: 978-3-487-11940-3 39,80 EUR
  
Zusatzinformation
Inhaltsverzeichnis
"Schon diese knappe Auflistung der Grundgedanken der hier versammelten, ausnahmslos gut recherchierten Beiträge zeigt die große Bedeutung von Irenik in der Frühen Neuzeit. (..) Ein ausführliches Personen-und Sachregister erleichtern den Zugang zu den vielfältigen Inhalten der Aufsätze in diesem sorgfältig redigierten Band." (Renate Dürr, Historische Zeitschrift, Band 286, 2008)

"(...) umfassende(s) Programm (und) Informationsreichtum der verschiedenen Beiträge (...)." (Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte, Bd. 99, 2004)

Allgemeinhistoriker - weniger evangelische oder katholische Kirchenhistoriker - sprechen seit mehr als 20 Jahren von „Konfessionalisierung“ und von einem „Konfessionellen Zeitalter“, das mindestens bis zum Westfälischen Frieden von 1648, in seinen letzten Ausläufern aber bis ins frühe 18. Jahrhundert reichte. Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg traten die konfessionellen Momente noch lange nicht zurück, während konfessionelle Intoleranz noch weit in das Aufklärungsjahrhundert hinein und über dieses hinaus wirkungsmächtig blieb. Das galt mit der Aufhebung des Edikts von Nantes und der Exulierung der Hugenotten im Jahre 1685 und mit der Zerstörung des Klosters Port Royal bei Paris, dem Zentrum des Jansenismus, in Frankreich ebenso wie mit der Vertreibung der Protestanten aus dem Erzstift Salzburg 1731 und mit der Vorgeschichte der Toleranzgesetzgebung Kaiser Josephs II. von 1781, die ihren Ausgangspunkt bei der 1777 geplanten „Transmigration“ (Zwangsdeportation) zahlreicher Protestanten aus Mähren nahm, in den deutschsprachigen Ländern. Aber auch in England gewährte die „Act of Tolerance“ von 1689 nur den protestantischen Dissentern außerhalb der anglikanischen Church of England Religionsfreiheit, wenn auch noch keine volle rechtliche Gleichstellung; die uneingeschränkte rechtliche Gleichstellung auch der Katholiken folgte erst mit der „Catholic Emancipation“ von 1829. Dennoch sahen die zweite Hälfte des 17. und das 18. Jahrhundert auch immer wieder Bestrebungen der Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten, die vor der Französischen Revolution in den auch die Juden einbeziehenden josephinischen Toleranzpatenten und in der praktischen Toleranz in Preußen ihren Höhepunkt erfuhren, aber auch Bemühungen um Union oder Wiedervereinigung der getrennten christlichen Konfessionen und die Haltung der Irenik oder des Antikonfessionalismus.

Die vorliegende Aufsatzsammlung geht auf eine Tagung zurück, die im September 2002 Historiker, katholische und evangelische Theologen, Philosophen und Juristen aus Belgien und Deutschland in der Dombibliothek Hildesheim zusammenführte. Der Band enthält Aufsätze von Sebastian Barteleit, Bruno Bernard, Christoph Böttigheimer, Martin Brecht, Norbert Hinske, Gottfried Hornig, Harm Klueting, Christoph Link, Dietrich Meyer, Alexander Ritter, Wolf-Friedrich Schäufele, Matthias Schnettger, Christoph A. Stumpf, Klaus Wappler und Gunther Wenz sowie Predigten oder andere Wortbeiträge von Christoph Böttigheimer, Eckhard Gorka, Landesbi-schof i.R. Horst Hirschler und Bischof Josef Homeyer.