"Durch den Versuch Frauke Annegret Kurbachers, Hannah Arendts Interpretation des Liebesbegriffs Augustins aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erschließen, wird nicht nur die Aktualität der zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfassten Dissertation herausgestellt und damit Pionierarbeit im Hinblick auf die bislang wenig positive Würdigung dieses Frühwerks in der Arendt-Forschung geleistet, sondern zugleich auch ein Appell zu reflektierendem Mit-Denken formuliert. Dank dieser Einführung wird der Leser bzw. die Leserin für die folgende Lektüre des Faksimilie-Drucks der Promotionsschrift sensibilisiert und dazu befähigt, die Sprengkraft von Arendts Augustin-Lektüre zu erkennen." (Silke Segler-Meßner, Philosophische Rundschau, Bd. 58, Heft 1/2011)
Hannah Arendts Schaffen gilt es philosophisch immer noch zu entdecken. Diese frühe, 1928 verfaßte und 1929 als Dissertation veröffentlichte Schrift greift bereits grundlegende Figuren ihres gesamten Denkens auf: den Weltbegriff, das Dasein, die vita socialis, Verantwortung. Anhand des intersubjektiven Themas par excellence Liebe erörtert Arendt mit und gegen Augustinus die vielfältige Doppeltheit des Menschen zwischen Isolation und Gemeinschaft, Noch-nicht und Nicht-mehr, Gewohnheit und Bewußtsein. Ausgehend von Augustinus problematisch positiven Überlegungen zum selbstverleugnenden Selbstverhältnis als konfliktuelle Grundlage des Umgangs mit Anderen, prüft Arendt kritisch die Fundamente abendländischen ethischen Denkens. Sie nimmt dies mit Blick auf ein Personen-, Subjekt- und Liebesverständnis vor, das nicht zuletzt auch im Zuge von derzeitigen theoretischen Bemühungen um den Liebesbegriff von andauerndem Interesse ist.
Dieser Band bietet neben einem einleitenden Essay, der Arendts Text innerhalb von Liebestheorien verortet, auch erstmalig Übersetzungen der zahlreichen griechischen und lateinischen Passagen sowie ein Personen- und Sachregister.
It is always worth rediscovering Hannah Arendts work from a philosophical perspective. In this early study, written in 1928 and published as a dissertation in 1929 she was already examining themes which would be fundamental to all her work: the concept of the world, existence, the vita socialis, responsibility. On the topic of the intersubjective theme par excellence, Love, Arendt discusses both pro and contra Augustine the manifold ambiguity of man caught between isolation and community, not-yet and no-longer, habit and consciousness. Taking as her starting point Augustines problematic positive idea of the self-denying relationship with the self as the conflicting basis of our interaction with others, Arendt critically examines the foundations of western ethical thought. She does so with a perspective on an understanding of person, subject and love which is of lasting interest not least in the context of contemporary concerns about the concept of love.