"Eine höchst empfehlenswerte, prägnante, beeindruckende Lektüre". (Till Kinzel, Freiheit der Wissenschaft, März 2008)
Der Hamburger Philosoph Klaus Oehler legt in diesem Buch seine Erinnerungen an die wichtigsten Stationen seines Werdens und Wirkens vor. Dabei hält er eine Rückschau auf die Wege des philosophischen Denkens in der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute, vor allem in Deutschland. Oehlers Beschreibungen der Begegnungen mit prägenden Gestalten der Epoche wie Rudolf Bultmann, Martin Heidegger, Gerhard Krüger, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno oder Carl Friedrich von Weizsäcker weiten sich zu literarischen Skizzen, in denen Charakter und philosophisches Temperament der Porträtierten auf eindrucksvolle Weise hervortreten.
Diese Autobiographie richtet sich nicht nur an Philosophen. Indem Oehler seine Erfahrungen an den Universitäten Marburg, Tübingen, Frankfurt und Hamburg und in den USA reflektiert, vermittelt er beziehungsreich die Auswirkungen der großen gesellschaftlichen und politischen Umbrüche, die sich in dieser Zeit vollzogen haben. Dabei wirft er auch einen Blick hinter die nach außen wohlanständig gehüteten Kulissen der Philosophischen Seminare und macht drastisch erkennbar, daß das Gerede von dem angeblich herrschaftsfreien Dialog der Philosophen untereinander nichts anderes als die rhetorische Tarnung machtbewußter Herrschaftsinteressen ist und immer war.
Klaus Oehler ist auch der Mann, der verhinderte, daß in den Jahren nach 1968 das Philosophische Seminar der Universität Hamburg zu einer roten Kaderschmiede umfunktioniert wurde. In der hochschulpolitischen Auseinandersetzung der Siebzigerjahre polarisierte er wie kein anderer. Auf dem Gipfel dieser Auseinandersetzung provozierte er die deutschen Gesprächspartner mit der Philosophie des Pragmatismus, die heute weltweit im Mittelpunkt der philosophischen Diskussion steht.
Mit dem Pyrmonter Epilog am Ende seines Buches - einer philosophischen Abhandlung sui generis - belegt Klaus Oehler selbst überzeugend seine These, daß die Philosophie nicht am Ende ist, sondern eine große Zukunft vor sich hat. Denn in dem Maße, wie die Einzelwissenschaften sich zu Techniken der Weltverwaltung entwickeln, wird es stärker als bisher Aufgabe der Philosophie sein, zu sagen, was Wissenschaft ist und nicht ist, was sie vermag und nicht vermag. Klaus Oehler bindet seine Voraussage über die Zukunft der Philosophie, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, allerdings an eine klare Bedingung: Voraussetzung ist, daß man endlich damit aufhört, Philosophie mit Soziologie, Linguistik, Literaturwissenschaft oder Physik zu verwechseln.
The Hamburg philosopher Klaus Oehler sets out in this book his memories of the most important periods of his development and activity. In doing so he offers a retrospective view of the paths taken by philosophy from the end of the Second World War until the present day, especially in Germany. Oehlers descriptions of meetings with influential figures of the age such as Rudolf Bultmann, Martin Heidegger, Gerhard Krüger, Max Horkeheimer, Theodor W. Adorno and Karl Friedrich von Weiszäcker are developed into literary sketches in which the subjects character and philosophical temperament are impressively portrayed.
This autobiography is not only aimed at philosophers. As Oehler reflects on his experiences at the Universities of Marburg, Tübingen, Frankfurt and Hamburg and in the USA he offers an evocative picture of the effects of the eras major social and political upheavals. At the same time he looks behind the scenes of the outwardly respectable world of academic philosophy departments and makes it dramatically clear that all the talk of supposedly non-hierarchical dialogue amongst philosophers is and always has been merely a rhetorical cover for power-seeking hierarchical interests.
Klaus Oehler is also the man who prevented the Hamburg University philosophy department from becoming a training-ground for extreme left-wing cadres in the years after 1968. In the 1970s debates on politics in higher education he polarised opinion like no other figure. At the climax of the debate he provoked his fellow-debaters in Germany with the philosophy of pragmatism which today forms a focus for philosophical discussion all over the world.
With the Pyrmont Epilogue which concludes his book - a philosophical essay sui generis - Klaus Oehler offers convincing proof of his own theory that philosophy has not come to an end but has a great future ahead. For, the more individual scholarly disciplines develop into techniques for governing the world, the more clearly it becomes the task of philosophy to say what knowledge is and what it can and cannot do. Klaus Oehler links his predictions about the future of philosophy, which focus on the human, to one definite condition: the precondition is that we should finally stop confusing philosophy with sociology, linguistics, literary studies or physics.
Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Oehler (geb. 1928) zählt zu den wichtigsten Philosophen seiner Generation. Neben Gastprofessuren im Ausland lehrte er über viele Jahrzehnte an der Universität Hamburg und war einer der wichtigsten Vermittler amerikanischer Philosophie in Deutschland. Er war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Semiotik sowie der amerikanischen Charles S. Peirce Society und ist Former Member des Institute for Advanced Study in Princeton.