"Michael Baumgartner ist mit "Exilierte Göttinnen" ein faszinierender Beitrag für die Musikwissenschaft gelungen, der sich zwar primär an ein fachlich vorgebildetes Publikum wendet, an dem jedoch zweifellos auch interessierte Laien einen hohen Lesegenuss finden werden (
) Die an sich bereits durchaus schlüssige Argumentation gewährleistet in Verbindung mit zahlreichen Notenbeispielen eine hohe Verständlichkeit, ohne dabei in allzu bemüht trocken-distanzierten Tonfall abzugleiten. Ein umfangreicher Fußnotenapparat garantiert nicht nur die wissenschaftliche Seriosität, sondern ergänzt überdies den Lauftext um weiterführende Detailinformationen." (Michaela Krucsay, info-netz-musik, 28.10.2012)
Nach Busoni ist die allein der Oper »natürlich zufallende Region« das »Übernatürliche oder das Unnatürliche«. Busonis Schüler Kurt Weill und Freund Othmar Schoeck nahmen sich diese Betrachtung zu Herzen.
In Weills Musical 'One Touch of Venus' (1943) und Schoecks Oper 'Venus' (1921) manifestiert sich das Übernatürliche in Form einer antiken Venusstatue, die zum Leben erweckt wird, als ein Jüngling ihr einen Ehering ansteckt. Schoeck beschließt die auf Prosper Mérimée basierende Handlung ganz in der Vorstellung von Busonis »Zauberspiegel« als Tragödie, mit dem Tod des Jünglings, Weill hingegen im Sinne von Busonis »Lachspiegel« mit einem Happy End.
Auch Thea Musgrave hat sich Busonis Ästhetik des »Übernatürlichen« verschrieben und behandelt in ihrer auf einer Kurzgeschichte Henry James fußenden Oper 'The Voice of Ariadne' (1974) das Thema eines verheirateten Mannes, der fieberhaft eine antike, vergrabene Ariadne-Statue sucht.
Die drei in unterschiedlichen Stilen realisierten und in verschiedenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstandenen Werke finden in der vorliegenden Studie ihre erste, detaillierte, interdisziplinäre Analyse an der Schnittstelle zwischen Musik-, Kultur- und Literaturwissenschaft.
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According to Busoni, the supernatural or unnatural is the natural region of opera alone. Busonis pupil Kurt Weill and friend Othmar Schoeck took this observation to heart.
In Weills musical 'One Touch of Venus' (1943) and Schoecks opera 'Venus' (1921) the supernatural manifests itself in the form of an ancient statue of Venus which comes to life when a young man places a wedding ring on its finger. Schoecks plot, based on a work by Prosper Mérimée, concludes in the spirit of Busonis magic mirror With the death of the young man, but Weills work, in the spirit of Busonis mirror of laughter, has a happy ending.
Thea Musgrave also subscribed to Busonis aesthetic of the supernatural and in her opera 'The Voice of Ariadne' (1974), based on a short story by Henry James, uses the theme of a married man who feverishly searches for an ancient buried statue of Ariadne.
In this study the three works, composed in very different styles at different points in the 20th century, are for the first time submitted a detailed interdisciplinary analysis at the intersection of musicology and cultural studies and literary criticism.