Horst Seidl
Traditionelle Tugendlehre als angewandte Ethik
Von allgemeinen Normen zum konkreten Handeln.
2012.
XVI/234 S.
Broschur
Series: PHILOSOPHISCHE TEXTE UND STUDIEN Band 111
ISBN: 978-3-487-14763-5 39,80 EUR
  
Gegenwärtig gibt es auf ethischem Gebiet Versuche, die abstrakten Begründungstheorien von allgemeinen Normen durch eine "angewandte Ethik" zu ergänzen, welche sich der Bewältigung konkreter Handlungssituationen widmet und zu den speziellen Bereichsethiken hinführt. Im Zentrum steht ein Problem, wie es von abstrakt allgemeinen Normen einen vermittelnden Übergang zum konkreten Handeln geben könne.
Für eine Klärung des Problems kann aber auch ein erneutes Studium wichtiger Ethik-Texte der - auf Platon und Aristoteles zurückreichenden - Tradition über die Tugenden sehr hilfreich sein, da sie die allgemeinen Normen, die Tugenden, von den konkret handelnden Menschen her gewinnt, um sie dann wieder auf konkretes Handeln anzuwenden, also genau den gesuchten Übergang zu vollziehen. Insofern wird die traditionelle Tugendethik wieder unerwartet aktuell. Sie war lange Zeit vernachlässigt, wegen des (empiristischen) Vorurteils, dass sie nur lebensferne Tugendideale anbiete.
Die vorliegende Abhandlung greift Hauptlehren der traditionellen Tugendethik wieder auf, um sie mit gegenwärtigen Entwürfen "angewandter Ethik" in Vergleich zu bringen, sowie auch in heute geführte Erörterungen einer Reihe weiterer Ethikprobleme einzubeziehen.

***

Attempts are currently being made in the field of ethics to augment the abstract theories that justify general norms with a “practical ethics”, devoted to coping with concrete situations, which leads to applied ethics. Central to this process is the problem of how to make the transition from abstract general norms to concrete actions.
In clarifying this problem a renewed study of important texts on ethics in the tradition - dating back to Plato and Aristotle - of examine the virtues, since these derive general norms, the virtues, from concrete human actions in order to reapply them to concrete actions, thus achieving the desired transition. This gives traditional virtue ethics a new currency, despite having been long neglected due to the (empiricist) prejudice that it only offers ideals of virtue remote from everyday life.
This study takes up the main theories of virtue ethics in order to compare them with current ideas for “practical ethics” and to set them bring them into contemporary discussions of a range of other ethical problems