Die Welt des Ostens hat Sacher-Masoch wie kein Zweiter gekannt und zu beschreiben gewusst. Vor allem seine Ghetto- und Judengeschichten aus Galizien - seit ihrem ersten Erscheinen in den Siebziger- und Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts nicht mehr neu aufgelegt und nicht zuletzt durch die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten in unseren Bibliotheken kaum mehr greifbar - bedeuten ein Stück Kulturgeschichte von hohem Rang, sie erwecken eine längst versunkene Welt mit all ihren Farben zu pulsierendem Leben.
Umso bedauerlicher, dass der Name Sacher-Masoch in unserer Zeit nur noch in der Nomenklatur der Psychiatrie als Namensgeber des Masochismus präsent ist.
Sein literarischer Rang wurde von Zeitgenossen wie Victor Hugo, Emile Zola, Guy de Maupassant und Henrik Ibsen gewürdigt, französische Kritiker billigten ihm den Rang eines deutschen Turgeniew zu.
Sacher-Masoch war ein Bahnbrecher des Naturalismus in der Lite¬ratur und hat vieles vorweggenommen, was der psychologische Roman des 20. Jahrhunderts erst lange nach ihm formuliert hat.