Im Mittelpunkt der Studie steht die Architekturbewegung des englischen Palladianismus, die sich im Rekurs auf den italienischen Renaissancearchitekten Andrea Palladio (1508-1580) zu Beginn des 18. Jahrhunderts konstituierte. Genauer wird nach der spezifischen Semantik palladianischer Architektur im Kontext der englischen Frühaufklärung und ihrer ästhetischen Theorien gefragt. Dabei berücksichtigt der Autor zum ersten Mal in diesem Zusammenhang, daß die Ausdifferenzierung philosophischer Ästhetik Ausdruck eines epistemologischen Paradigmenwechsels ist, der zu einer nachhaltigen Veränderung architektur- und kunsttheoretischen Denkens geführt hat. Sowohl die Querelle des Anciens et des Modernes als auch Empirismus und Sensualismus haben entscheidend auf den englischen Architekturdiskurs des 18. Jahrhunderts eingewirkt. Damit entwickelte sich der englische Palladianismus ausgerechnet in einem geistesgeschichtlichen Klima, das die vitruvianischen Prämissen palladianischer Architekturtheorie zugunsten einer ästhetisch entfesselten Architektur zu zersetzen begann. Auf der Grundlage umfassenden Quellenmaterials spürt der Autor diesem scheinbaren Paradox nach und zeigt die Wechselwirkungen zwischen Architektur und Ästhetik auf.
This study focuses on the English architectural movement known as Palladianism, which was constituted with recourse to the Italian Renaissance architect Andrea Palladio (1508-1580) in the early 18th century. More specifically, the specific semantics of Palladian architecture are investigated in the context of the early English Enlightenment and its aesthetic theories. For the first time in this context, the author takes into account that the differentiation of philosophical aesthetics is the expression of an epistemological change of paradigm which has led to a lasting change in thinking on architecture and art theory. The Querelle des Anciens et des Modernes as well as empirism and sensualism had a decisive effect on the English architectural discourse of the 18th century. English Palladianism thus developed in an unlikely intellectual climate which was beginning to dissolve the Vitruvian prem-ises of Palladian architectural theory in favour of an architecture freed of its aes-thetic fetters. On the basis of comprehensive source material, the author investigates this seeming paradox and shows the interactions between architecture and aesthetics.